Glossar
- Allmende (mhdt. 'allen gemein')
Die Allmende ist Grundeigentum, welches nicht im Besitz einzelner, sondern der Dorfgemeinschaft ist. Im Wendland stellte sie meist Land für neue, nicht durch Teilungen entstandene Hofstellen (Kossater, Kirchen). - Brinksitzer
Brinksitzer waren Bewohner einer sehr kleinen Hofstelle, eventuell mit Garten, aber ohne Land und Beteiligung an der Allmende. Sie sind ab Ende des Dreißgjährigen Krieges belegt. Ihre Hofstellen befinden sich fast immer am Ortsrand. Brinksitzer waren wohl meist Handwerker. - Dravänopolabisch (auch Polabisch,
Dravänopolabisch zur Eingrenzung der Region)
Linguistische Bezeichnung für den wendischen Dialekt, der bis ins 18. Jht. von den Nachfahren der westslawischen Stämme im Nordosten des heutigen Deutschlands gesprochen wurde, Dravänopolabisch also speziell im Wendland. Eine Ähnlichkeit besteht mit dem Sorbischen, das heute noch in der Lausitz gehört werden kann. Durch die getrennte Entwicklung jedoch hat das Dravänopolabische eine isolierte Entwicklung genommen und ist durch Assimilierungsprozesse schließlich ausgestorben.
Der Pfarrer Christian Hennig aus Wustrow schrieb Anfang des 18. Jhts. den dravänopolabischen Wortlaut des Vaterunsers nieder:
Nôsse Wader, ta toy giss wa Nebisgáy, Sjungta woarda tügí geima, tia Rîk komma, tia Willia schinyôt, kak wa Nebisgáy; tok kak no Sime, nôssi wisse danneisna Stgeiba doy nam dâns un wittedoy nam nôsse Ggrêch, kak moy wittedoyime nôssem grêsmarim, ni bringoy nôs ka warsikónye, tay lösoáy Nôs wit wissókak, Amen.
Weitere wichtige Aufzeichnungen stammen von Johann Parum Schultze. Das Dravänopolabische hat nie eine eigene Schriftsprache entwickelt. Die letzte Sprecherin starb laut Kirchenbuch 1756, im Alter von 88 Jahren. Eine umfangreiche und sehr liebevolle Darstellung zum Polabischen findet sich hier. - Geest
Die Geest ist ein norddeutscher Landschaftstyp, der höher liegt als die Marsch, die Niederung, und demzufolge trockener ist. Geest und Marsch spielten in der Besiedlungsgeschichte eine Rolle, da die höher gelegene Geest mehr Schutz bot (vor Wetter oder Feinden), allerdings erkaufte man sich diesen Schutz durch schlechteres Ackerland. - Hufe
Altes (urspr. fränkisches) Maß für die Land- oder Ertragsfläche, die für eine Familie zur Ernährung und für Abgaben ausreicht. Eine Hufe entsprach im preußischen Wendland etwa einer Fläche von 16 bis 17 Hektar. Desweiteren bezeichnet der Begriff die Gesamtheit des bäuerlichen Besitztums, wie Ackerland, Wiesen, Vieh usw. - Hufner
Bezeichnung für eine zu einer Hufe gehörende Hofstelle. Man unterscheidet Vollhufner, Halbhufner, Viertelhufner usf. Letztere sind durch Teilungen entstanden. - Kossater (Kot - Kate, lat. sedere - sitzen/siedeln)
Kossater sind hinzugezogene, landarme Bauern und Knechte, die ab dem 15. Jht. kleine Hofstellen an einer Öffnungsseite des hufeisenförmigen Rundlings bekamen. Die Katen der Kossater sind kleiner, vor allem aber ist die Hofgröße begrenzt. - Kulturelle Landpartie
Kulturelle Veranstaltung, die vor allem in den Dörfern des südwestlichen Landkreises Lüchow-Dannenberg von Himmelfahrt bis Pfingsten stattfindet. Ausstellt werden vor allem Malerei und Objekte, Konzerte, Lesungen und andere Veranstaltungen bilden den Rahmen. Hervorgangen aus den Wunde.r.punkten, ist die KLP auch heute noch als Protest gegen ein atomares Endlager in Gorleben gedacht. - Parum Schultze, Johann
Johann Parum Schultze (1677 bis 1740) lebte als Bauer, Gastwirt und Dorfschultze in Süthen im Hannoverschen Wendland und kann mit seinen Schriften als ein wichtiger Chronist der bereits damals im Aussterben begriffenen wendischen Sprache angesehen werden. In seiner Chronik des Wendlands beschreibt er Alltagskultur des bäuerlichen Lebens seiner Zeit, zwar auf Deutsch, aber mit einigen wendischen Einflüssen. Vor allem jedoch fügte er eine Wörtersammlung des Wendischen hinzu, im Bewusstsein:
Wenn mit mir und denn noch drey Personen es vorbey ist in unserem Dorf, alsdann wird wohl niemand recht wissen, wie ein Hund auf Wendisch genannt wirdt.
Literatur:
- Johann Parum Schultze; Reinhold Olesch (Hrsg.): Fontes linguae Dravaenopolabicae minores et Chronica Venedica J. P. Schultzii. (= Slavistische Forschungen; Band 7). Böhlau, Köln und Graz 1967
- Johann Parum Schultze; Karl Kowalewski (Hrsg.): Die Wendland Chronik des Dorfschulzen Johann Parum Schultze aus Süthen, geschrieben in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. AJB-Verlag Lüchow 1991 (ISBN 3-928117-02-5)
Das Zweiständerhaus, in dem Johann Parum Schultze sein Leben verbrachte, wurde 1987 in das Museumsdorf Lübeln versetzt. Hund heißt auf Wendisch übrigens pjas. - Wenden (von lat. Venedi, Weichselslawen)
In der antiken Geschichtsschreibung wurden die slawischen Völker im Bereich der Weichsel Veneter genannt. Diese bewegten sich im Zuge der Völkerwanderung nach Westen und bildeten Volksgruppen im nordgermanischen resp. Ostseeraum. Im Wendland wurden sie (d.h. der Stamm Dravenen, auch Drevanen) im 11./12. Jht. christianisiert, eigene Sprache und Kultur hielten sich jedoch bis in 19. Jht.
Viele Ortsnamen im Wendland sind slawischen Ursprungs (insb. die mit der Endung '-ow), an die wendische Sprache erinnert heute in der Lausitz das Sorbische. Hinweise auf wendische Urbevölkerung finden sich auch in deutschen Bezeichnungen wie Wendisch Evern u.a. In Österreich ist das Adjektiv windisch eine (leider eher abwertende) Bezeichnung für slawische Nachbarn. Siehe Artikel auf Wikipedia.